Eine neue Studie der Universität Bern mit Daten von über 25'000 Jugendlichen zeigt: Wer sich selbst falsch einschätzt, trifft häufiger eine unpassende Berufswahl. Die Ergebnisse bestätigen, worauf unsere Berufswahl-Lehrmittel seit Jahren setzen: Eine fundierte Selbstkenntnis ist die Grundlage für eine reflektierte und passende Berufsentscheidung.
Profolio unterstützt bei der realistischen Selbsteinschätzung
Der unsichtbare Risikofaktor in der Berufswahl
Bei uns im S&B Institut für Berufs und Lebensgestaltung erleben wir in der Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung immer wieder, dass Fehlentscheide in der Berufswahl selten aus mangelnder Motivation entstehen. Häufiger liegt die Ursache darin, dass Jugendliche ihre eigenen Fähigkeiten noch nicht genügend kennen oder nicht realistisch einschätzen.
Die Studie Imperfect Self knowledge about Skills and Skill Mismatch der Universität Bern beleuchtet dieses Phänomen mit eindrücklichen Daten und zeigt, wie eng unrealistische Selbsteinschätzung mit unpassenden Berufswünschen und späterem Skill Mismatch (Fehlpassung von Fähigkeiten und Beruf) verbunden ist.
Nachhaltige Berufswahl in sechs Schritten
Selbstbild, Realität und Skill Mismatch
Die Studie von Daniel Goller, Enzo Brox und Stefan Wolter untersucht, warum Jugendliche Berufe wählen, die nicht gut zu ihrem tatsächlichen Fähigkeitsprofil passen. Als Datengrundlage dienen standardisierte Berufseignungstests von über 25'000 Jugendlichen, bei denen objektive Testergebnisse und selbst eingeschätzte Leistung direkt miteinander verglichen werden konnten. Diese Informationen wurden mit Bildungswegen und frühen Arbeitsmarkterfahrungen verknüpft.
Die Ergebnisse sind klar. Jugendliche, die ihre Fähigkeiten schlechter einschätzen können, entwickeln häufiger Berufswünsche, die nicht zum tatsächlichen Kompetenzprofil passen. Dieser erste Fehlentscheid bleibt nicht ohne Folgen, denn aus unpassenden Aspirationen wird später oft ein realisierter Skill Mismatch, also eine spürbare Fehlpassung zwischen Person und Beruf.
Früh beginnen, statt spät korrigieren
Die Studienautoren leiten daraus eine klare Empfehlung ab: Die Förderung realistischer Selbsteinschätzung muss früh beginnen, bevor sich Jugendliche auf einen bestimmten Beruf festlegen. Nachträgliches Feedback kommt für die meisten zu spät.
Das deckt sich mit den übrigen Befunden der Studie: Skill Mismatch erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Ausbildungsabbruchs deutlich, und die Fähigkeit zur realistischen Selbsteinschätzung wirkt dabei nicht nur indirekt über die Passung, sondern hat einen eigenständigen Einfluss auf den Ausbildungserfolg. Es geht also nicht nur um Informationen, sondern auch um Entscheidungsqualität und Anpassungsfähigkeit.
Der Profolio Berufswahlfahrplan verteilt den Berufswahlprozess über die gesamte Oberstufe
Realistische Selbsteinschätzung bei Jugendlichen
Die Studie bestätigt, wie wichtig es ist, früh und systematisch an der Selbsteinschätzung zu arbeiten. Berufswahl soll nicht erst dann ein Thema werden, wenn Schnupperlehren, Bewerbungen oder Lehrstellensuche unmittelbar bevorstehen.
In unserem digitalen Lernmedium Profolio und auch in den Print-Lehrmitteln «Wegweiser zur Berufswahl» und «Berufswahl-Portfolio» beginnt die Berufswahl bewusst mit der Ich-Analyse. Jugendliche setzen sich vertieft mit ihren Interessen, Fähigkeiten, Eigenschaften und Werten auseinander, bevor sie Berufsfelder erkunden. Der Profolio Berufswahlfahrplan verteilt diese Schritte gezielt über drei Schuljahre und startet bereits in der ersten Oberstufe, damit genügend Zeit und Raum für die Persönlichkeitsentwicklung geschaffen wird.
Ein zentrales Element ist der Abgleich von Selbstbild und Fremdbild. Jugendliche holen Rückmeldungen von Lehrpersonen, Eltern und weiteren Bezugspersonen ein. So werden Fehleinschätzungen sichtbar, solange Korrekturen noch einfacher möglich sind und nicht erst, wenn bereits eine Lehrstelle zugesagt ist.
Berufswahl als Prozess, nicht als Moment
Unsere Beratungspraxis und der Einsatz unserer Berufswahl-Lehrmittel in der Oberstufe zeigen, dass ein einmaliges Feedback selten genügt. Jugendliche brauchen wiederholt Gelegenheit, um Selbstbild, Fremdbild und Anforderungen der Berufswelt abzugleichen.
Profolio unterstützt genau diesen Prozess. Selbstreflexion, Rückmeldungen sowie Passung der Berufsanforderungen und der eigenen Person werden während des gesamten Berufswahlprozesses iterativ durchlaufen. So entstehen Entscheidungen, die nicht nur spontan attraktiv, sondern auch nachhaltig sind.
Motivierende Challenges führen Jugendliche zur realistischen Selbsteinschätzung
Erfolgreiche Passung ist mehr als ein Interessenstest
In Beratungsgesprächen erleben wir häufig, dass sich Jugendliche stark an Lieblingsfächern, Vorbildern oder einzelnen Erfahrungen orientieren. Diese Faktoren sind wichtig, sie reichen aber für eine nachhaltige Berufswahl nicht aus. Nachhaltige Passung entsteht dort, wo Interessen, Fähigkeiten, Persönlichkeit, eigene Werte und die Anforderungen des Berufsfeldes zusammenkommen.
Das S&B Concept®, auf welchem unsere Berufswahl-Lehrmittel basieren, stellt deshalb Jugendliche mit einem ganzheitlich Ansatz in den Mittelpunkt. Persönliche Ressourcen, Werte, Lebensumstände und Zukunftsperspektiven bewusst einbezogen. Ziel ist nicht nur eine machbare, sondern eine passende, nachhaltig tragfähige Entscheidung, die es ermöglicht eine Erstausbildung mit Freude und Erfolg zu absolvieren.
Fazit: Wer sich besser kennt, wählt nachhaltiger
Die Studie von Daniel Goller, Enzo Brox und Stefan Wolter liefert eine starke empirische Grundlage für etwas, das unsere Arbeit seit vielen Jahren prägt. Realistische Selbsteinschätzung ist keine Nebensache der Berufswahl, sie ist eine ihrer zentralen Voraussetzungen.
Mit Profolio und dem S&B Concept® schaffen wir Strukturen in der Praxis, in denen Jugendliche und Erwachsene ihre Fähigkeiten, Interessen und persönlichen Werte differenziert wahrnehmen, Rückmeldungen einordnen und diese mit der Realität der Berufswelt vergleichen. So wächst die Chance, dass Berufsentscheidungen gut informiert, reflektiert und nachhaltig passend sind.
Quellen
Goller, D., Brox, E. und Wolter, S. C. (2026). Imperfect Self knowledge about Skills and Skill Mismatch. Universität Bern, Economics of Education Working Paper Series.
Pellizzari, M. und Fichen, A. (2013). A New Measure of Skills Mismatch. OECD Social, Employment and Migration Working Papers.
McGuinness, S., Pouliakas, K. und Redmond, P. (2018). Skills Mismatch, Concepts, Measurement and Policy Approaches. Journal of Economic Surveys.
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Gerne zeigen wir dir in unseren Profolio-Webinaren, wie du mit Profolio Jugendliche und ihre Eltern im Berufswahlprozess begleitest und wie du deinen Unterricht mit Profolio gestalten kannst.