Lernstrategien und Zeitmanagement – aus der Praxis für die Praxis

«Sage es mir, und ich werde es vergessen. Zeige es mir, und ich werde es vielleicht behalten. Lass es mich tun, und ich werde es können.» (Konfuzius)

In meinen Beratungen fördere ich gezielt das selbständige Handeln der Jugendlichen. Denn so werden nachhaltige Kompetenzen auf dem Weg in die Selbständigkeit erworben. Der Berufswahlprozess geht über das Suchen und Finden des persönlichen Traumberufes hinaus. Die Persönlichkeitsentwicklung und damit das Kennenlernen der eigenen Werte, Interessen und Fähigkeiten stehen dabei im Zentrum. Dies schliesst auch das Wissen um die persönlichen Strategien, welche einem an die eigenen Ziele führen, mit ein. Wie können Jugendliche diese kennenlernen und erfolgreich einsetzen? Hierzu einige Anregungen aus meinem Beratungsalltag.

Kurt Adank
Kurt Adank
1. Juni 2022

Der Weg zu persönlichen Lernstrategien und einem erfolgreichen Zeitmanagement

Kevin war vor einigen Monaten, ein gutes halbes Jahr vor Abschluss seines «Baccalaureat International», bei mir in der Beratung. Sehr bald wurde uns beiden aber bewusst, dass er nicht nur Begleitung in der Berufs- und Studienfindung benötigte, sondern auch mit dem strukturierten Lernen heillos überfordert war. Die Abschlussprüfungen standen zwar noch nicht direkt vor der Tür, doch das anstehende Lernen auf die grossen Prüfungen bereitete ihm zunehmend grosse Sorgen. Kevin hatte keinerlei Antwort auf meine Frage, was denn seine bisher angewendeten Lernstrategien seien. Er hatte schlichtweg keine. So fokussierten wir die nächsten Wochen und Monate nicht nur auf seine Identitätsfindung und Berufsorientierung, sondern erarbeiteten auch gemeinsam seine persönlichen Lernstrategien.

Bewusstsein stärken anhand konkreter Beispiele

Zusammen mit Kevin habe ich ein Bewusstsein für die Wirkung mündlicher Beteiligung erarbeitet, indem wir nach Themen suchten, die ihn interessieren. Schnell kamen wir dabei auf seine Hobbies zu sprechen und Kevin erzählte mir begeistert und detailliert von der BMX- und Snowboard-Szene. Es ist ihm am eigenen Beispiel bewusst geworden, dass Interesse gepaart mit intensiver (mündlicher oder schriftlicher) Auseinandersetzung zu mehr und vertieftem Wissen führt und dass er selbst dafür verantwortlich ist, eine solche Auseinandersetzung zu realisieren. Seine Fähigkeiten, Verbesserungen an seinen BMX-Velos und Snowboards anzubringen, verdankt er seinem Willen und Interesse, an technischen Details herumzutüfteln und praktisch umsetzbare Lösungen zu finden – «Lass es mich tun, und ich werde es können.»

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Eine optimale Lernumgebung und individuelle Strategien entwickeln

Kevin war auch bereit, gemeinsam mit mir seine Lernumgebung zu analysieren und zu optimieren. Es gelang uns, einige Störfaktoren wie z. B. laute Musik, permanente Erreichbarkeit über das Mobiltelefon oder die Ablenkung durch seine kleine Schwester, wenn auch nicht gänzlich zu entfernen, so zumindest zu minimieren. Mit Lernstrategien hat Kevin bis anhin nie gearbeitet. Heute ist ihm dank eigener Erfahrung bewusst, dass man Lernen sequenzieren kann. Er weiss auch, dass es hilfreich ist, sich bereits im Unterricht einen ersten Überblick über das Wesentliche zu schaffen und mit «Querlesen» Prioritäten zu setzen. Er hat gelernt, wie er Zusammenfassungen schreibt und wir haben gemeinsam an seinen Lernzielen gearbeitet. Ziele, die er sich nun eigenständig setzt, weil er mit der Zeit ein Gespür dafür entwickelt hat, welche Ziele für seine persönliche Situation realistisch sind.

Vom Aufzeigen und Besprechen zum selbstverantwortlichen Handeln

Kevin hat in seinem Berufs- und Studienwahlprozess auch gelernt, sich einen Überblick über sein Zeitbudget zu verschaffen, dieses gezielt zu verwalten und bewusst einzuteilen. Mit seinen persönlichen Wochen- und Lernplanungen haben wir das Thema anhand konkreter Aufgaben und Prüfungen durchgespielt, indem Kevin seine neu erlernten Lernstrategien direkt anwenden konnte. Er hat dabei erfahren, dass es ihm hilft, grössere Aufgaben und Prüfungen in kleiner Lerneinheiten aufzuteilen und diese vor allem fix in seinen Lernplan einzutragen. Wo früher planloses und meistens auch zu kurzfristiges und deshalb überforderndes Lernen stattfand, hat Kevin sich eine bewusste Lernplanung erarbeitet und den Willen, sein persönliches Maximum herauszuholen, entwickelt. Vom Aufzeigen möglicher Lernstrategien und dem Besprechen konkreter Beispiele aus seinem Alltag kam Kevin durch das Erproben und Anwenden möglicher Wege ins selbstverantwortliche Handeln. Dank diesem Prozess und seiner dadurch entwickelten Motivation ist es Kevin gelungen, ein auf ihn persönlich abgestimmtes Lernsetting zu gestalten. Damit hat er selbst den Grundstein für seinen langfristigen Erfolg gelegt.

So ganz nebenbei

Das Schönste im gesamten Prozess aber waren Kevins glänzende Augen, als er mir im Abschlussgespräch der Berufs- und Studienberatung mitteilte, wie glücklich er sich schätze, dass er neben seiner nun festgelegten Studienwahl «nebenbei» auch viel über sein eigenes Lernen dazugelernt habe. Was will man als begleitende Beratungsperson noch mehr?

Wie weiter?

Welches sind die wichtigsten Lernstrategien für deine Schüler:innen? Wie kriegen sie ihr Zeitmanagement besser in den Griff? Das digitale Berufswahl-Lernmedium Profolio gibt Antworten auf Fragen und Herausforderungen zu Lernstrategien und Zeitmanagement. Mit vielen nützlichen Tipps und Tricks erarbeiten sich die Jugendlichen ihre persönlichen Lernstrategien und planen ihr Zeitmanagement. Sie erkennen, welchen Einfluss diese Faktoren auf ihre Leistungen haben können, indem sie sie an vielen konkreten Beispielen anwenden.

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