Anlässlich der Woche der Berufsbildung 2026 war Simon Schmid zu Gast in der Morgenshow von Radio 1. In zwei Interviews sprach er über Leidenschaft, Lehrstellensuche und die Rolle der Eltern. Hier teilt er seine wichtigsten Gedanken aus den Gesprächen.
Simon Schmid in der Woche der Berufsbildung bei Radio 1
Eltern sind die wichtigsten Bezugspersonen in der Berufswahl
Wenn es um die erste Berufswahl geht, spielen Eltern eine zentrale Rolle – ob sie wollen oder nicht. Sie sind Vorbilder. Kinder beobachten, ob ihre Eltern gerne arbeiten gehen, ob sie ihrer Tätigkeit mit Sinn nachgehen oder primär wegen des Geldes. Das strahlt aus, im Guten wie im Schlechten.
Konkret zeigt sich das auch ganz formal: Eltern unterschreiben am Ende den Lehrvertrag. Ihr Engagement, ihre Haltung und ihr Interesse am Berufsfindungsprozess ihrer Kinder machen einen messbaren Unterschied. Wer Jugendliche in der Berufswahl wirklich begleiten möchte, sollte deshalb auch die Eltern früh ins Boot holen – als aktive Unterstützer, nicht nur als Unterschriftenleistende.
Radiobeitrag Donnerstag über die Rolle der Eltern, Leidenschaft und den Mut, den eigenen Weg zu gehen.
Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für Leidenschaft
Nach neun bis elf Jahren Volksschule, in denen der Weg mehr oder weniger vorgegeben war, öffnet sich mit der Berufswahl zum ersten Mal eine echte Wahlmöglichkeit. Mein Rat ist klar: Ich empfehle jedem Jugendlichen, das zu machen, was ihm wirklich Freude macht.
Das bedeutet: Nicht taktisch denken. Nicht mit 14 Jahren den Karriereweg optimieren. Sondern ehrlich fragen, was wirklich interessiert, was drei bis vier Jahre lang trägt – auch wenn es mal schwierig wird. Denn wer mit Freude dabei ist, bleibt dran, findet Lösungen und hat langfristig Erfolg. Die Berufswahl ist kein Endpunkt, sondern ein Startpunkt.
Noten und Herkunft – wichtig, aber nicht alles
Natürlich schauen Betriebe auf Noten und Dossier. Besonders mit Blick auf die Berufsfachschule sind schulische Leistungen ein Indiz. Aber ich plädiere für einen breiteren Blick: Es gibt bereits Firmen, die sagen, sie schauen zuerst den Menschen an – und erst dann das Dossier. Das finde ich den richtigen Weg.
Denn was später im Berufsleben wirklich entscheidend ist, sind Haltung, Motivation und die Bereitschaft zur Weiterbildung – nicht die Zeugnisnoten. Als Berufsbildende sollte man sich fragen: «Können wir in diesen drei, vier Jahren gemeinsam etwas aufbauen?» Das sieht man in Noten alleine schlicht nicht.
250 Berufe – aber die Vielfalt wird zu wenig genutzt
Die Schweizer Grundbildung bietet rund 250 Lehrberufe (EBA und EFZ) – und daneben gibt es Fachmittelschulen, Gymnasien und alternative Wege wie das Projekt «Time4». Das Angebot ist riesig. Und trotzdem konzentrieren sich Jahr für Jahr die meisten Lernenden auf die gleichen zehn bis fünfzehn Berufe.
Ich möchte ausdrücklich dazu ermutigen, die Vielfalt wirklich anzuschauen. Ob Korb- und Flechtwerkgestalterin oder Edelsteinfasser – es gibt Berufe, von denen die meisten Jugendlichen noch nie gehört haben. Genau dafür ist eine Woche wie diese da: um Horizonte zu erweitern und zu zeigen, wie bunt die Berufswelt wirklich ist.
Radiobeitrag Freitag über die Vielfalt der Lehrberufe, Plan B als Chance und den Rat das zuwählen wofür man brennt.
Plan B ist kein Rückschritt in der Berufswahl
Nicht immer klappt es auf Anhieb mit dem Wunschberuf. Lehrstellenmarkt, Noten, Konkurrenz – manchmal braucht es Kompromissbereitschaft. Aber ich möchte den Druck rausnehmen: Der erste Beruf ist der Einstieg in die Berufswelt. Man lernt so viel mehr als nur fachliche Dinge – mit anderen zusammenarbeiten, früh aufstehen, Verantwortung übernehmen. Das sind Kompetenzen, die man ein Leben lang mitnimmt.
Kein Weg ist verbaut. Wer heute einen Plan B macht, kann nach dem Abschluss die Richtung anpassen. Bereits mein Vater macht heute nicht mehr den Beruf, den er vor 60 Jahren gelernt hat – und das gilt in unserer schnelllebigen Zeit erst recht.
Mein Rat zum Abschluss der Woche der Berufsbildung
Am Freitagmorgen habe ich den Jugendlichen folgendes mitgegeben – und ich meine es wirklich so:
Überlege dir, was du wirklich gerne machst. Was hat dir in deiner Freizeit, in deinem Hobby am meisten Spass gemacht? Schau, was es in diesem Bereich gibt. Rede mit Leuten, die das machen. Erkunde es selbst. Und wähle das, wofür du brennst – weil das ansteckt. Auch die Leute, die dir am Ende eine Lehrstelle geben oder nicht.
Hinweis
Dieser Beitrag entstand aus einem Transkript eines Radiobeitrages von Dani Wüthrich, Morgenshow-Moderator und Musikchef bei Radio 1. Die beiden Interviews wurde in der Woche der Berufsbildung am 7. und 8. Mai 2026 in der Morgenshow von Radio 1 ausgestrahlt und mit DinBrudi transkribiert und Claude weiterverarbeitet.
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